Peter-Friederichs-Kunst |
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Die surreale Kunst des Peter Friederichs |
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Die Werke von Peter Friederichs sind unverkennbar surrealistisch und knüpfen damit an eine Stilrichtung und Tradition an, die in den 20er und 30er Jahren von Namen wie Max Ernst, Giorgio de Chirico, Salvator Dali, Joan Miro, Andre Masson und Renee Margritte geprägt wurde. Für den Betrachter beginnt damit eine Reise ins Ungewisse. Phantastische Chimären und fremde Wesen tanzen vor seinen Augen, traumgeborene und teils irritative Bildvisionen künden von Irrationalität und Übersinnlichem. Eine Welt rätselhafter Symbolik eröffnet sich dem Betrachter, die-wie Peter Friederichs zugibt- auch von ihm sebst kaum hinreichend zu entschlüsseln wäre. Die Worte des Romantikers Novalis: Ich wusste nicht, wie das wurde,was geschah, und wie das wurde, was ich sah“ Novalis,Letzte Gedichte(27) 1799-1800., mögen für den Schaffensprozess und das Selbstverständnis kreativer Betätigung Metapher sein und gleichzeitig Programm. Metamorphose Die Beschäftigung mit surrealistischer Malerei seitens der Kunsthistoriker und ihrer Interpreten hat immer wieder du zu recht auf ein Leitprinzip hingewiesen, das auch für Friederichs Bilder noch maßgeblich ist: das Prinzip der Metamorphose. Die Avantgarde der Surrealisten entwickelte seinerzeit verschiedene Techniken und Verfahren der Kombinatorik, um disparate Motive und Bildelemente formal und inhaltlich zu etwas Neuem, Unbekannten zusammenzuschweißen. Die Bilderfindung sollte systematisch, aber unter Ausblendung der Kontrolle der Vernunft quasi „halbautomatisch“ in Gang gesetzt werden und in die tieferen Ebenen des Bewusstseins führen. Die bildnerischen Techniken, die beispielsweise Max Ernst hierfür einsetzte ( Collage,Frottage, Grattage,Decalcamonie ) spielen für Peter Friederichs keine Rolle.Er simuliert das Prinzip der Metamorphose auf zweierlei Art. Einerseits wird sie anschaulich,ja intensiv spürbar in der minutiösen Feinmalerei, mit der Friederichs biomorphen Lebenswelten und endomorphen Strukturen nicht bestimmbarer Materialität nachspürt und dies auf die Leinwand bringt, andererseits wird sie selbst Bildthema wie im 1988 entstandenen Temperabild Geburt der Venus. Die in Eiform eingeschlossene Figur wirkt in sich gekehrt, Auch das aliengleiche Wesen in Trinitas zeigt nicht sein wahres Gesicht, es besitzt keines und ist mit Blindheit geschlagen. Habhaft wird man nur der reptilienhaften Körperlichkeit und der scheinbar artverwandten,rankenhaften Geflechts, das wie ein Heiligenschein den eiförmigen Kopf umgibt, und mit dem das geheimnisvolle Wesen auf geistige Weise verbunden zu sein scheint. Der innere Blick, so mag man folgern,steuert bei Friederichs Prozesse des Lebens und er offenbart sie auf der Leinwand chirurgenhaft, den Pinsel als Skalpell benutzend. Endomorphosen Das Unbehagen, das manche Bilder begleitet,wird aufgefangen durch die sehr harmonische Bildsprache und die wohlüberlegte Komposition seiner Werke.Friederichs stellt Sehgewohnheiten nicht auf den Kopf, irritative Verfremdungen seiner Ding-und Gestaltenwelt bleiben stets im Kalkül ästhetischer Erwägungen.Sie gehorchen den Gesetzlichkeiten des Bildsehens und der Imagination, Farbe, Komposition und Bildrahmung seiner visionären Logik. Auch andere dieser Gruppe zugehörigen Werke, wie Utopia, das im übrigen stark an Max Ernst Serie der „Wälder „ erinnert, oder Herzschlag, weisen rätselhafte, versteinerte oder erstarrte Strukturen auf. Das sehr reizvolle und interessante Formen-und Farbenspiel dieser Bilder lässt kaum zwischen abstrakter, biomorpher oder anorganischer Dinglichkeit unterscheiden.Sie überzeugen, wie gesagt, durch ihre Gestaltung.Nur dort, wo Friederichs` Hang zur biomorphen Lebenswelt Kapriolen schlägt, wie etwa in Cinque Terre, rückt –zumindest für den Betrachter- die ästhetische Dimension vor der dinglich-greifbaren Substanz in den Hintergrund.Das zentral in der Bildmitte posierte krustenartige Tier ähnelt einem riesigen Scampi, der –so scheint es- den energetischen Austausch zwischen sich, den eiförmigen Gebilden und den adergleichen Flechten-und Rahmenwerk steuert. Ein leichtes Unbehagen mag und soll sich einstellen, aber auch hier greift wieder dieses Doppelspiel, das Friederichs perfekt beherrscht: das Bild als solches und seine Inhalte sind ganz Organismus, Anima und Animus In mehreren Versionen greift Peter Friederichs das Jung`sche Begriffspaar Anima und Animus auf. In der Psychologie C.G.Jungs- erinnert sei daran, daß Friederichs Psychologie studiert hat- sind dies Archetypen des „Kollektiven Unbewussten“.Dies will heißen-in verkürzter Form-, das bei jedem Menschen ein psychisches, auch vererbtes Anpassungssystem vom anderen Geschlecht in seinem Unterbewußten existiert und wirkt,sich jeder also ein Bild, einen Typus von einem Mann oder einer Frau macht, und dieses auch von unbewussten Vorstellungen genährte Bild auf das jeweilige Objekt seiner momentanen Begierde projiziert. Ungeachtet einmal der Relevanz dieser Theorie, Peter Friederichs malt etliche Anima-Bilder, die Frauen als Kopfgeburten des Mannes zeigen. Einmal ist sie verborgen und gefangen als Vexierbild in einer kalten Gesteinsmasse wie in Anima, das andere Mal zeigt sie in graziöser Pose Mondgöttin. Aber auch selbstbewusst dominierend und dämonenhaft tritt sie auf in der Bronze Genie und Göttin, der Divina von 1987 gleich. Zweifellos sieht man sich hier mit dem stets schwelenden Konflikt zwischen den Geschlechtern konfrontiert. Ein beliebtes und immer wiederkehrendes Thema der Spätromantik und inbesondere des Surrealismus, das vor dem Hintergrund gesellschaftsverändernder und kontroverser Moralvorstellungen stets neu aktualisiert wurde. Das Kriterium Zeit Die Zeit bestimmt den Organismus in seiner Entwicklung. Insofern ist die Kategorie Zeit in den frühen Bildern,die vom biomorphen organischen Leben handeln,enthalten. In Peter Friederichs jüngsten Werken bahnt sich da ein Wechsel an. Die Bilder bekommen eine zusätzliche Dimension von Zeit:es werden ,so scheint es, Geschichten erzählt,die nach Interpretation geradezu schreien. Das 1998 entstandene Bild Weltgericht,weist ein vielfiguriges Personal auf. Verschiedene Ebenen sind besetzt, eine scheinbar traumgeborene Szenerie spielt sich im Hintergrund der Büste ab. Das Bildresultat wirkt durch die Kombinatorik suggestiver, teils der antiken Mythologie entnommener Elemente extrem surreal. Die brillante, fast altmeisterliche Maltechnik und die großartige kompositionelle Anlage eröffnen dem Betrachter ein imaginäres Bildgeschehen, das zur Deutung einlädt. Sigmund Freud soll einmal gesagt haben, nichts sei so trügerisch wie der Blick nach Innen. Der Betrachter sei gewarnt! Dies mag nicht nur im psychologischen, auch im übertragenen Sinne für den Blick des Rezipienten gelten- denn auch sein Blick richtet sich nach Innen, auf und in das Bild. |
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